Das Impfen darf nicht zu einer sozialen Frage werden!

Schon der Lockdown hat die Menschen unterer Einkommensklassen deutlich härter getroffen als Besserverdiener. Wer mit Kindern in einer engen Wohnung lebt, für den sind die Einschnitte schmerzhafter als für Privilegierte in Villenvororten.

Wir müssen sehr darauf achten, dass sich die soziale Spaltung jetzt nicht auch beim Impfen fortsetzt. Nicht das Vorhandensein von Ärzten im Freundes- oder Bekanntenkreis dürfen über die Vergabe von Impfterminen entscheiden, sondern einzig und allein die Priorität. Es ist gut, dass wir eine verbindliche Reihenfolge haben, und so lange der Impfstoff knapp ist, sollten wir sie auch beibehalten. Zur dritten Gruppe gehören auch Berufsgruppen, die vielen Kontakten mit Menschen ausgesetzt sind: Beschäftigten der Polizei und Feuerwehr, in Lebensmittelläden, im öffentlichen Nahverkehr.

Mir ist es lieber, wir halten etwas länger an der Impfpriorisierung fest, als wenn wir einen Verteilungskampf um Impfstoff riskieren, bei dem sich am Ende die Wohlhabenderen mit ihren Netzwerken und Kontakten durchsetzen.

Auch sollten die Kommunen und Länder Strategien entwickeln, um die Menschen in Brennpunkten schneller und niedrigschwelliger zu impfen. Es braucht nicht nur mehrsprachige Briefe, sondern auch Impfmobile auf den Marktplätzen. Niemand hat etwas davon, wenn die noblen Vororte durchgeimpft sind, aber die Pandemie in den sozialen Brennpunkten weiter grassiert.