Hanna berichtet über die Flucht aus der Ukraine

„In meinem Kopf herrscht absolute Stille“, berichtet Hanna an Tag fünf ihrer Flucht aus der #Ukraine.
„Morgens beim Duschen wurde mir klar, dass es das ist, was mir in diesem Krieg am meisten Angst macht.
Die Abwesenheit irgendeiner Ursache, ob groß oder klein, bedeutsam oder unbedeutend, bekannt oder unbekannt.
Jetzt weiß ich, dass es das absolute Böse gibt. Jetzt weiß ich, wie es aussieht, wie es klingt, wie es riecht, schmeckt, sich anfühlt.
Und das Erschreckendste ist, dass sich dieses Übel einfach so manifestieren kann, plötzlich unlogisch. Und dein einziger Job ist es, dir keine Sorgen zu machen – ich sage es meiner Mutter unendlich oft.

Sie sagt, sie will nach Hause. Ich will auch nach Hause. Auch wenn ich vorher absolut überzeugt war, dass „mein Zuhause ist, wo ich bin“, scheint mir jetzt meine Kiewer Wohnung wie ein Magnet des Universums.
Das Gefühl von Heimat wird für immer durch Krieg verzerrt.
Unter den dutzenden Menschen, die mir jeden Tag schreiben, gab es heute zwei ähnliche Nachrichten: „Es tut mir leid, dass du alles verloren hast“ und „Du hast alles zurückgelassen“.

Meine Psyche weigert sich, meine Statusänderung zu akzeptieren: Kriegsflüchtlinge, Geflüchtete. Als Person, die sich mein Leben lang immer von irgendwelchen Etiketten fern gehalten hat, fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass bald jeder neue Mensch mich durch ein bestimmtes Prisma sehen wird.“

Hanna Hrabarska ist eine Fotografin aus der #Ukraine, die die gemeinsame Kriegsflucht mit ihrer Mutter visuell dokumentiert.
Mit ihrem Einverständnis dürfen wir einige Fotos hier veröffentlichen. Zum Internationalen #Frauentag wollen wir in diesem Jahr Stimmen aus der Ukraine zu Wort kommen lassen.
Denn so wie Hanna geht es gerade tausenden Frauen. Ihr Land ist gerade auf jede Hilfe angewiesen.

Neben Hannas Geschichte haben wir deshalb online auf spd.de Informationen gesammelt, welche Hilfsorganisationen Du mit Spenden unterstützen kannst, wie Du Geflüchtete aufnehmen kannst und auf welchen Kundgebungen Du Solidarität zeigen kannst.